ZÜRICH: (18.09.2019) Das Personal von Schutz und Rettung Zürich soll künftig Schutzwesten tragen. Ob andere Städte nachziehen, ist offen. Gewalt und Drohungen gegen Beamte haben sich in den letzten 20 Jahren mehr als vervierfacht. Dabei geht es nicht nur um Übergriffe auf Polizisten, sondern auch um Beschimpfungen und Tätlichkeiten gegen Sanitäter und Rettungskräfte. Immer wieder werden diejenigen Leute, die eigentlich Leben retten sollten, Opfer von Beleidigungen oder gar Gewalt.

Rettungskräfte müssen mit schusssicheren Westen ausgestattet werden

In Zürich reagiert man darauf mit Aufrüstung: Das Personal von Schutz und Rettung Zürich wird künftig flächendeckend mit schusssicheren Westen ausgerüstet. Schon heute können Rettungssanitäter für schwierige Einsätze solche Westen beantragen. Nun sollen alle 370 Sanitäter und Notärzte von Schutz und Rettung Zürich mit neuen Westen ausgestattet werden, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Das sei notwendig, sagt Michael Schumann, Bereichsleiter Sanität bei Schutz und Rettung Zürich. «Die Überziehwesten werden auf dem Rettungswagen mitgeführt und bei Bedarf angezogen.» Je nach Einsatzgrund werde eine Pflicht bestehen, eine Weste anzuziehen.

Erst am vergangenen Samstag wurden Feuerwehrleute bei einer Demonstration in Zürich umzingelt und angegriffen. Auch Sanitäter werden immer wieder Opfer von Pöbeleien oder Drohungen. Die Dunkelziffer sei hoch, heißt es beim Dachverband für Rettungswesen. In Zürich rechnet man mit rund 300 solcher Angriffe pro Jahr.

Bunte Angriffe „schon fast Alltag“

Bei der Berner Sanitätspolizei gehören Pöbeleien schon fast zum Alltag, sagt der zuständige Sicherheitsdirektor Reto Nause. Mit solchen Westen könne man sich schützen, fordert aber klar härtere Strafen: «Die Mindeststrafen bei Übergriffen sollten heraufgesetzt werde. Ich glaube schon, dass das eine abschreckende Wirkung hätte.»

Bern und Basel weiter „tolerant“

Auf solche Verschärfungen der Strafen will man in Zürich nicht warten. «Es ist wichtig, dass man jetzt geschützt ist», sagt Michael Schumann. «Jeder Übergriff ist einer zu viel und wir möchten unsere Mitarbeiter optimal schützen.» Ob das Zürcher Beispiel Schule macht, ist offen. In Bern und Basel ist eine solche Aufrüstung zumindest im Moment kein Thema.
Quelle: srf.ch

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